• Jana

"Starting a Revolution" von Lisa Jaspers & Naomi Ryland

Aktualisiert: Sept 4



Worum geht’s?

Die Start-up-Szene in Deutschland und an vielen anderen Orten der Welt ist nach wie vor erstens männlich* geprägt (auch wenn die Zahlen inzwischen durch zahlreiche tolle Initiativen langsam steigen) und zweitens v.a. auf Dinge ausgerichtet wie: Profit! Sales! Konkurrenz überholen! Mit diesen vorherrschenden Werten räumen Lisa Jaspers und Naomi Ryland in ihrem Buch nicht nur gründlich auf. Sie rufen auch alle Interessierten auf, die Ärmel hochzukrempeln und sich ihnen bei ihrer anrollenden Revolution anzuschließen. Schluss mit hierarchischen Strukturen in Unternehmen! Schluss mit sinnlosen Überstunden und gewinnorientierten Strategie-Plänen. Hallo (und Prost!) zu werte-basierter Führung und Start-ups, die statt top-down-Hierarchien von den Zielen und Visionen der Mitarbeitenden und Menschen im Unternehmen getragen werden. Wie das gehen soll?


“Welche Einsicht hättest du gern früher gehabt, zu der Zeit, als du deine Firma gegründet hast? Die meisten Frauen wünschten sich, sie hätten gewusst, wie wichtig ihre persönliche Entwicklung sein würde, und bereits zu Beginn ihrer Karrieren mehr Zeit, Energie und Geld darauf verwendet, sich selbst besser zu verstehen.” (“Starting a Revolution” - Lisa Jaspers & Naomi Ryland).

Lisa Jaspers und Naomi Ryland, die beide selbst Gründerinnen sind, haben in ihren eigenen Unternehmen erfahren, wie schnell man selbst in diese “Fallen” tappen kann, welche die gesamte GründerInnen-Szene immer noch fordert - besonders dann, wenn man auf der Suche nach Funding ist. Doch nachdem beide reflektierten und für sich entschieden, dass dieser "konventionelle" Weg nicht der richtige für sie ist, beschlossen sie, Starting a Revolution zu schreiben. Und sie begannen, inspirierende GründerInnen aus ihren Netzwerken zu ihren revolutionären Arbeits- und Personalkulturen zu befragen. Sieben diverse UnternehmerInnen kommen abwechselnd in dem Buch zu Wort und berichten von ihren Erlebnissen zu Themen wie Führung, Innovation und Organisationsstrukturen. Jedes Wort eine Start-up-Offenbarung! Mit Starting a Revolution machen Lisa Jaspers und Naomi Ryland vor allem klar: Die Normen in der Start-up-Welt (und in der Arbeitswelt generell) sind Konstrukte, die auf Macht statt auf Sinn ausgerichtet sind. Wenn wir das erkannt haben und uns anders orientieren wollen, liegt der Weg schon vor uns. Also alle: auf zur Revolution!


Gelesen auf: Deutsch

Nase zwischen den Seiten: 2 Nachmittage

Seitenanzahl: 212

Preis: 18,00€ (D)

Erschienen am 31. August bei Econ (Ullstein Buchverlage)

ISBN: 978-3430210331


Leseerlebnis

Ist eine sehr persönliche Erfahrung, aber ich habe das Buch während einer Bahnfahrt gelesen. Normalerweise würde ich mich als stillen Fahrgast bezeichnen. Doch beim Lesen dieses Buches habe ich öfter mal laut “Ja, genau so!” und “Wie genial ist das denn bitte?!” gerufen. Schräge Blicke von gegenüber stecke ich für dieses Buch mehr als gerne ein.


Boobscore: 4 von 5 Boobs ( • ) ( • ) ( • ) ( • )

Der vollständige Titel des Buches lautet Starting a Revolution - Was wir von Unternehmerinnen über die Zukunft der Arbeitswelt lernen können. Damit ist der Auftakt für den Boob Score schon gegeben: In ihrem Buch stellen Naomi und Lisa nämlich die Erfahrungen von diversen Gründerinnen in den Fokus. Sie kommen aus verschiedenen Regionen der Welt, sie haben die unterschiedlichsten Biographien, doch sie eint, dass alle inspirierende Ideen haben. Unter den Interviewten* sind zum Beispiel Ida Tin, die eine App zur Zyklus-Messung auf den Weg brachte und Stephanie (Steve) Shirley, die sich bereits in den 1960er-Jahren mit einem IT-Unternehmen im Vereinigten Königreich selbstständig machte, das v.a. Mütter einstellte - damals komplett gegen die Norm. Mit ihren Interviews in Starting a Revolution setzen Naomi und Lisa nicht nur ein starkes Zeichen in Sachen weibliche Stimmen in der Männer-dominierten Szene der Existenzgründung. Bei der Auswahl ihrer Gründer*innen stellen die Autorinnen auch klar: Netzwerken ist wichtig. Klar für alle, aber besonders für Frauen, die sich selbstständig machen wollen. Denn im Netzwerk kann man nicht nur eigene Zweifel teilen und ggf. ausräumen, sondern sich Courage und Motivation einholen. Welche verschiedenen Herausforderungen die interviewten GründerInnen unterwegs auf ihren Reisen meistern mussten und wie diese Geschichten zu ihrem Denken über die Arbeitswelt beitrugen, ist wirklich faszinierend. Vivienne L’Encuyer Ming beispielsweise wurde als Mann geboren und lebte eine Zeit lang auf der Straße. Doch ihr Lebensweg spornte sie dazu an, ein inzwischen führendes Unternehmen in der Branche der künstlichen Intelligenz in den USA aufzubauen. Sie und die anderen Interviewten sind, ebenso wie die Autorinnen, absolute Role Models:


“Als Stephanie ihre Software-Firma gründete, arbeitete sie von zu Hause aus – genau wie all ihre Programmiererinnen. Sie hatte die Firma nämlich in der Absicht gegründet, Frauen auf den Arbeitsmarkt zurückzuholen.” (“Starting a Revolution” - Lisa Jaspers & Naomi Ryland).

Letztendlich rüttelt Starting a Revolution vor allem an konventionellen Arbeits- und Orga-Strukturen unserer (westlichen) Welt und gibt Impulse, wie wir es anders und besser machen können - auch wenn das am Anfang eine Riesenportion Mut und jede Menge Durchhaltevermögen erfordert, besonders gegenüber jenen die das anders sehen. Aber hoffnungsvoll macht, dass niemand alleine ist mit dem Umsturz bzw. der graduellen Veränderung des Systems. Starting a Revolution - Seid ihr dabei? Wir jedenfalls schon!


Literarisches Feuerwerk?

Das Buch ist nicht als “literarisches” Meisterstück ausgelegt, sondern als informierendes Sach- und Wegweiser-Buch. Trotzdem fand ich es spannend geschrieben und besonders die Form macht richtig Laune, da sich thematische Passagen immer wieder mit den persönlichen Geschichten der interviewten Frauen* abwechseln.


Stoff zum Nachdenken

Für mich blieb vor allem hängen, wie sehr wir an bestimmte Werte und Strukturen in der Arbeitswelt schlicht “gewöhnt” sind, auch wenn sie nicht unbedingt Sinn ergeben oder zielführend sind. 8-Stunden-Tag? Klar, alles andere ist faul. Hierarchie mit Geschäftsführerin an der Spitze? Logisch, alles andere funktioniert sowieso nicht. Doch, tut es und ja, in vielen Bereichen wäre ein Umdenken sinnvoll. Es muss sich halt nur eine*r hinstellen und es einfach machen. Der Rest zieht schon von selbst nach.


Bestes Geburtstagsgeschenk für…

… alle Frauen*, die überlegen, sich selbstständig zu machen und auch all jene, die in einem Job stecken, der sie alles andere als glücklich macht. Bereichert immer und macht vor allem Mut, selbst etwas an den Umständen zu verändern.


Happy Hour

Coffee und vegane Donuts! Bekamen wir nämlich beides von Lisa Jaspers, als wir uns mit ihr vor ihrem Laden Folkdays in Berlin trafen. Bestes Frühstück am Sonntagmorgen.


Zu dieser Lebenslage passt das Buch

Bahnfahrt ist, wie gesagt, für das Buch eine gute Gelegenheit. Aber eigentlich passt Starting a Revolution vor allem dann perfekt, wenn ihr euch mehr mit Themen wie New Work und der GründerInnenszene auseinandersetzen wollt - oder auch mit der eigenen Existenzgründung.


A little Bio never killed nobody

Lisa Jaspers, die 1983 geboren wurde, studierte an der London School of Economics Entwicklungsökonomie und arbeitete u.a. als Beraterin für Oxfam. 2013 gründete sie in Berlin die Marke “Folkdays”, die hochwertige Fair-Trade-Produkte wie Fashion, Schmuck und Taschen vertreibt, wodurch sie zahlreichen Menschen in armen Regionen ein Einkommen sichert. Schaut vorbei: https://folkdays.de/.

Hier außerdem ein tolles Interview mit Lisa Jaspers zu ihrem Gründerinnen-Dasein: https://werde-magazin.de/lisa-jaspers-folkdays/


Naomi Ryland, Jahrgang 1985, studierte Germanistik und Intercultural Conflict Management, bevor sie tbd* ins Leben rief, eine digitale Community für Menschen, die sich in einem Netzwerk aus Gleichgesinnten auf Sinnsuche begeben und nach werte-basierten Jobs Ausschau halten wollen. Naomi hat zudem SEND (Social Entrepreneurship Netzwerk Deutschland) mitgegründet. Hier geht’s zur tbd* Community, auf der auch regelmäßig tolle Purpose Fellowships ausgeschrieben werden: https://www.tbd.community/de.


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