„Mutig nicht perfekt“ von Reshma Saujani

Aktualisiert: Juli 6



Worum geht’s?

Reshma Saujanis Werk Mutig nicht perfekt handelt von unserer Perfektionskultur, der vor allem Frauen* von Kindheitstagen an unterliegen. Während Jungs schon früh dazu ermutigt werden, Risiken einzugehen, geht es bei Mädchen meist darum, möglichst wenige Fehler zu machen. Das Ergebnis: perfektionistische Ja-Sager-Frauen*, die gefallen wollen. Doch wie kann sich eine Frau* von diesem „perfect girl-Image“ befreien? Reshma Saujani entlarvt in ihrem Buch die unterschiedlichsten Mythen rund um den Perfektionismus und zeigt praxisnahe Wege auf, um ihn loszuwerden. Wie der Titel bereits vermuten lässt, ist es vor allem unser Mut, der uns dabei hilft, unser volles Potenzial zu leben. „Mut hingegen bereichert Ihr Leben genau an dem Punkt, an dem Perfektionismus Ihnen einst etwas wegnehmen wollte.“ Mit echten und motivierenden Geschichten aus ihrem eigenen Leben und dem von anderen Frauen* inspiriert Saujani ihre Leser*innen auf ganz persönliche Weise.

„Wenn Perfektion unser Maßstab ist, dann wird es für uns niemals „Erfolg“ geben können, denn dann wird nichts, was wir tun, jemals ausreichen.“ („Mutig, nicht perfekt“ – Reshma Saujani)

Gelesen auf: Deutsch

Nase zwischen den Seiten: 4 Abende

Seitenanzahl: 220

Preis: 20€ (D)

Erschienen im August 2020 beim Dumont Verlag

ISBN: 978-3-8321-8129-1

Leseerlebnis

Ich muss gestehen, ich habe das Buch aufgrund seines Titels ausgewählt. Mut und Perfektionismus sind Themen, mit denen ich mich schon länger auseinandersetze. Ich war neugierig auf Reshmas Saujanis Herangehensweise. Und, was soll ich sagen, ich war bereits nach der dritten Seite Fan! Es ist eins der Bücher, das ich am liebsten in einem Rutsch durchgelesen hätte und bei denen ich mich zu Reflexionspausen förmlich zwingen musste. Denn auch wenn ich jede Seite dieses kurzweiligen Buchs genossen habe, hat es vieler meiner unbewussten Glaubenssätze getriggert. Und wenn ich eins gelernt habe, dann ist es, dass ich in diesen Momenten hinschauen muss, sonst verfehlen die Inhalte ihre Wirkung.

Boobscore: 5 von 5 Boobs ( • ) ( • ) ( • ) ( • ) ( • )

Dieses Buch hat einfach 5 von 5 Boobs verdient. Allein, weil es mit der Geschichte über den größten Misserfolg, der Autorin beginnt. Reshma Saujani kandidierte 2010 für den US-Kongress und wurde mit 81% Gegenstimmen vernichtend geschlagen. Seien wir doch mal ehrlich, die wenigsten von uns haben die Fehlerkultur des Silicon-Valley-Manier verinnerlicht und prahlen mit ihren Misserfolgen, oder? Nein, für viele Frauen* ist es richtig hart, sich öffentlich zu ihren Fehlern zu bekennen. Doch Reshma erzählt diese Geschichte nicht um des Scheiterns Willen, sondern weil es für sie der erste Zeitpunkt in ihrem Erwachsenenleben war, an dem sie mutig war. Und laut ihr ist Mut der Tod des Perfektionismus.


Doch woher kommt dieses Streben nach Perfektion überhaupt? „Wann haben wir Selbstvertrauen und Selbstbehauptung eingetauscht gegen Zustimmung und Anerkennung?“ Reshma Saujani nimmt uns in Mutig, nicht perfekt mit auf eine Reise in den Perfektionskult unserer (westlichen) Gesellschaft und zeigt uns, wie unser persönlicher Ausstieg aussehen kann. Sie räumt mit Perfektionsmythen auf und gibt uns Strategien an die Hand, wie wir die Angst vorm Scheitern überwinden können und lernen, Risiken einzugehen und mit Kritik umzugehen. Reshma spornt uns dazu an, unseren Mutmuskel zu trainieren und uns vom „perfect girl“ zu verabschieden. Immer wieder schreibt sie sich mit Sätzen wie „Wenn wir mutig sind statt perfekt, dann wird unser Leben nicht nur so wirken, als wäre es gut, es wird wahrhaftig sein, freudvoll, überraschend und ganz uns selbst gehören“ direkt ins Herz ihrer Leser*innen. Und das kann sie deshalb so wahnsinnig gut, weil es ihre Geschichte ist. Sie weiß, wie es sich anfühlt, in der Scheinwelt des „perfect girls“ zu leben, aber eben auch, wie es ist, mutig zu sein und sein volles Potenzial zu leben. Diesem Buch gebe ich 5 von 5 Boobs, weil es den Prozess weg vom Perfektionismus hin zum mutigen Leben so lebhaft erzählt.

Literarisches Feuerwerk?

Es ist kein Buch, das ich als literarisches Feuerwerk bezeichnen würde, aber als gedankliches. Es ist eins der Bücher, die einen bewegen und mitreißen. Besonders die vielen Beispiele, die bildliche Sprache und die vielen kleinen Anekdoten führen dazu, dass man das Gefühl hat, Reshma Saujani persönlich würde einem gerade wild gestikulierend gegenübersitzen und einen Vortrag über Perfektionismus und Mut halten.

Stoff zum Nachdenken

Mich hat dieses Buch ehrlich gesagt mitten ins Herz getroffen. Denn ich wurde beim Lesen stark mit meinen eigenen “perfect girl”-Gedanken konfrontiert. Mit der Angst vorm Scheitern, meinen eigenen Perfektionsansprüchen, aber auch mit der Thematik des “Gefallenwollens”. Das machte das Leseerlebnis zeitweise ganz schön unbequem, aber die Selbsterkenntnis war riesig. Reshmas Werk stimmte mich aber auch im Hinblick auf die Fehler in unserem Gesellschaftssystems nachdenklich. Die Gender Gap und die Tatsache, dass Frauen* der Perfektionskult schon mit in die Wiege gelegt wird, war mir zwar teilweise schon bekannt, dennoch fand ich das Ausmaß erschreckend. Und vor allem blieb die Frage in meinem Kopf „Wie würde mein Leben aussehen, wenn ich es mutig und nicht perfekt leben würde?“

Bestes Geburtstagsgeschenk für …

… alle, die ihren Perfektionismus über Bord werfen möchten und endlich das mutige Leben führen möchten, von dem sie schon so lange träumen.

Happy Hour

Tequila Shot: klein, große Wirkung und brennt im Nachgang.

Zu dieser Lebenslage passt das Buch

Dieses Buch ist ideal für Frauen*, die keinen Bock mehr darauf haben sich von ihrem eigenen Perfektionismus ausbremsen zu lassen. Vor allem Frauen*, die nicht gut „Nein“ sagen können, sollten es unbedingt lesen. Generell richtet es sich an jede*n, der Lust hat mehr darüber zu erfahren, wie tief der Perfektionismus in uns und unserer Gesellschaft verankert ist und wie unser Weg abseits des „perfect girls“ aussehen könnte.

A little Bio never killed nobody

Reshma Saujani Jahrgang 1975, war die erste indisch-amerikanische Frau, die 2010 für den US-amerikanischen Kongress kandidierte. Laut Reshma war diese Kandidatur das Mutigste, was sie bis zu diesem Zeitpunkt in ihrem Erwachsenenleben getan hat. Heute ist die New Yorkerin Gründerin und CEO der gemeinnützigen Organisation "Girls Who Code" und Bestseller-Autorin von mehreren Büchern. Mit "Girls Who Code" setzt sie sich dafür ein, die Gender Gap im Bereich Programmieren zu schließen und das klassische Bild des Programmierenden zu verändern.

Dieser Beitrag ist von unserer Gastbloggerin Corinna. Das schreibt Corinna über sich:

Wenn ich meiner Neugier nachgehe und immer wieder den Mut finde, um mich selbst zu verändern, fühle ich mich lebendig und erfüllt. Früher hatte ich Angst vor Veränderung und meine Komfortzone war mein absoluter happy place. Doch eines Tages stellte ich fest, dass die ganze Magie erst zum Vorschein kommt, wenn ich meine Komfortzone verlasse.

Mein größter Mutanfall in diesem Jahr, war die Veröffentlichung meines ersten Buches Mama, mutig, mittendrin. Für mich der Beweis, dass in diesem Leben einfach alles möglich ist, wenn ich mir selbst vertraue und meine verrückten Ideen einfach umsetze. Wenn ich nicht gerade Bücher schreibe, arbeite ich als Fotografin im Bereich Businessfotografie und Familienfotografie und unterstütze andere Kreative in Form von Mentorings bei ihren kreativen Projekten.



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