"Cat Person. Storys" von Kristen Roupenian


Worum geht’s?

Hinter dem Titel Cat Person. Storys verbergen sich zwölf Kurzgeschichten der US-Amerikanischen Autorin Kristen Roupenian. Die Geschichten drehen sich um ganz verschiedene Figuren und Konflikte, allerdings haben sie eines gemeinsam: Sie handeln von zwischenmenschlichen Beziehungen und menschlichen Abgründen in unserer heutigen Zeit. Da ist zum Beispiel Ted aus der Kurzgeschichte "Ein netter Typ", der sich vorstellt, Frauen Schmerzen zuzufügen. Die namensgebende Kurzgeschichte "Cat Person" ging 2017, in der Hochphase der #metoo-Debatte, viral und erzählt von den Graustufen sexueller Gewalt. Die Protagonistin Margot lernt den Mann Robert kennen, mit dem sie sich nach unzähligen Textnachrichten auf ein Date trifft. Sie gehen zu ihm und landen im Bett. Doch schon als Margot Roberts Schlafzimmer betritt, hat sie eigentlich keine Lust mehr auf Sex. Sie weiß allerdings nicht, wie sie sich jetzt noch aus der Affäre ziehen soll.


„Wie sie ihn da so sah […] dachte Margot: O nein. Aber der Gedanke daran, was es an Aufwand bedeuten würde, jetzt zu stoppen, was sie in Bewegung gesetzt hatte, war überwältigend.“ (Kristen Roupenian - "Ein netter Typ/Cat Person")

Gelesen auf: Deutsch

Nase zwischen den Seiten: 7 Abende

Seitenanzahl: 288

Preis: 20,00€ (Hardcover)

Erschienen im Januar 2019 beim Aufbau Verlag

ISBN: 978-3-351-05057-3


Tipps & Tits

Solltet ihr Cat Person. Storys schon längst gelesen haben, oder nach dieser Rezension sofort lesen wollen, habe ich einen Tipp für euch: In diesem Jahr wurde Roupenians zweiter Kurzgeschichtenband Milkwishes veröffentlicht. Ich selbst habe ihn noch nicht gelesen, freue mich aber sehr drauf.


Boobscore: 4 von 5 Boobs ( • ) ( • ) ( • ) ( • )

Eigentlich mag ich Kurzgeschichten nicht sonderlich, aber Cat Person. Storys hat meine Aufmerksamkeit erregt, und das nicht nur wegen des Titels. Es hat sich auf jeden Fall gelohnt, meine Komfort-Zone zu verlassen. Die Geschichten waren alle auf ihre eigene Art verstörend, bedrückend, gruselig und manchmal auch ein bisschen abartig – und ich mochte es! Es passt zu 100 Prozent in die heutige Zeit. Die Süddeutsche Zeitung hat geschrieben, das Buch habe „einen Nerv getroffen“ und besser kann ich es selbst gar nicht beschreiben. Ich konnte mich zwar nicht wirklich mit allen Charakteren identifizieren, aber trotzdem kamen mir Gefühle und Situationen, die beschrieben wurden, oft einfach vertraut vor, ohne, dass ich genau beschreiben konnte, warum. Besonders gut hat mir gefallen, wie viele der Geschichten auf innovative und clevere Art von Machtgefällen zwischen den Geschlechtern erzählen. Ich fand dieses Buch unglaublich und großartig. Ich ziehe allerdings einen Boob ab, weil es die eine oder andere Kurzgeschichte gab, die mich nicht wirklich überzeugen konnte und in der Female Empowerment nicht überall im Fokus stand. Aber ich empfehle das Buch auf jeden Fall weiter. Meine Lieblinge unter den Geschichten waren „Look at Your Game Girl“, „Cat Person“, „Ein netter Typ“ und „Matchbox Sign“.


Literarisches Feuerwerk?

Die Sprache in Cat Person. Storys ist alles andere als blumig. Eher fühlt sie sich nüchtern und distanziert an und passt so hervorragend zum Inhalt. Zwar kann man als Leser*in das Innenleben und die Gefühlswelt der Protagonist*innen nachvollziehen, allerdings wird auch das eher auf kühle Art beschrieben. So konnte ich mich zwar in die Hauptfiguren hineinversetzen, aber ich hatte auch immer eine gewisse Distanz zu ihnen, wodurch ich sie und ihre teilweise negativen Charaktereigenschaften entlarven und erkennen konnte. Besonders eine starke Selbstbezogenheit und Egoismus, durch den andere Leute verletzt werden, haben viele Protagonist*innen der Geschichten gemeinsam. Keine einzige Hauptfigur war mir während des Lesens sympathisch und der Schreibstil des Buchs hat maßgeblich dazu beigetragen, die Figuren bloßzustellen und hat somit seinen Zweck vollkommen erfüllt.


Stoff zum Nachdenken

Viele der Geschichten haben mich auch nach dem Beenden der Lektüre nicht losgelassen und sind mir weiter im Kopf herumgespukt. Das war besonders bei den Geschichten so, die von zwischenmenschlicher, psychischer, körperlicher oder sexueller Gewalt handeln. Da ist zum Beispiel Ted aus der Geschichte „Ein netter Typ“, der sich selbst für genau das hält – einen guten Kerl. Er ist die Art Mann, die nett zu Frauen ist, dafür aber eine Gegenleistung – Aufmerksamkeit, Liebe oder Sex – erwartet. Und wenn er diese Gegenleistung nicht bekommt, ist das genug Rechtfertigung für ihn, sich wie ein Arschloch zu verhalten. In „Look at Your Game, Girl“ wird ein 12-jähriges Mädchen immer wieder von einem ihm fremden Mann angesprochen, der sich mit ihr anfreunden möchte – und schon die Vorstellung, was ihr passieren könnte, hat mir beim Lesen einen Kloß im Hals beschert.


„Im guten Ted steckt ein schlechter Ted, aber darunter gibt es noch einen, der aufrichtig gut ist. Aber keiner hat ihn je zu Gesicht gekriegt, sein ganzes Leben nicht.“ (Kristen Roupenian – "Ein netter Typ/Cat Person")

Bestes Geburtstagsgeschenk für …

…alle, die ungewöhnliche Leseerlebnisse mögen und kein Problem mit abgefuckten Storys haben.


Happy Hour

Ich empfehle zu dem Buch den guten alten Tequila-Shot mit Salz und Zitrone, um den ein oder anderen Schock zu verarbeiten.


Zu dieser Lebenslage passt das Buch

Wenn du nach einer Wohlfühl-Lektüre suchst, ist Cat Person. Storys nicht das richtige Buch für dich. Ich empfehle das Buch in einer emotional stabilen Lebenslage. Ich könnte mir sogar vorstellen, dass es Menschen mit Traumata, vor allem wenn diese mit sexueller Gewalt zusammenhängen, triggern könnte.


A little Bio never killed nobody

Kristen Roupenian, Jahrgang 1982, kommt aus den USA und ihr Lebenslauf hat es in sich. Sie hat bereits für den Friedenskorps in Kenia, als Lehrerin, als Kassiererin in einer Buchhandlung, als freie Journalistin, als Nanny und als wissenschaftliche Mitarbeiterin in einem Krankenhaus gearbeitet. Ach so, einen Doktortitel hat sie übrigens auch. Thema der Dissertation: postkoloniale und transnationale afrikanische Literatur am Beispiel eines literarischen Magazins aus Kenia.


Dieser Beitrag ist von unserer Gastbloggerin Jenni, die sich so beschreibt:

"Egal ob Filme, Serien, Musik oder Social Media, Medien und Popkultur machen einen großen Teil meines Lebens aus. Doch für nichts schlägt mein Herz so sehr wie für Bücher. Über all diese Themen blogge ich regelmäßig auf dem Blog Populärkollektiv."




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